[Review] Gianas Return
Wer mit dem C64 groß geworden ist, ist wahrscheinlich auch an Giana Sisters nicht vorbei gekommen. Die Gruppe Time Warp Productions um Armin Gessert, Manfred Trenz und Chris Hülsbeck entwickelten das klassische Jump’n'Run-Game als Antwort auf Nintendos Super Mario, welches nur auf Nintendo-Plattformen veröffentlicht wurde. Nun hatte die Heimcomputer-Szene ihr eigenes Mario - bzw. eben die Schwestern Giana und Maria.
Nintendo indes sah seine Markenrechte verletzt. Die Spiele waren in Aufbau und Spielprinzip fast identisch. Nintendo erwirkte gerichtlich, dass Giana Sisters vom Markt genommen und nicht mehr verkauft werden durfte. Dies schmälerte indes den Erfolg der Giana Sisters nicht: als Schulhofkopie verbreiteten sich die sympatischen Schwestern von Rechner zu Rechner.
Inzwischen ist “The Great Giana Sisters”, wie das Game offiziell heißt, ein echter Kult-Hit. Nachbauten des Klassikers gibts z.B. als Flash-Game im Internet. Natürlich lässt sich das Original-Spiel über den Emulator Vice auch auf dem Wiz und anderen Plattformen spielen. Auch Nintendo ist dies nicht entgangen: Sie beauftragten ein Team um Armin Gessert einen Nachfolger für die erfolgreiche Handheld-Konsole Nintendo DS zu programmieren.
Gianas Return ist dagegen ein reines Fan-Projekt. Die Macher des Games bezeichnen es als inoffiziellen Sequel (Fortsetzung) von Giana Sisters. Als vor kurzem die erste Public Beta des Games erschien, ging ein raunen durch die Blogs und Foren: die ehrgeizige Arbeit des kleinen Teams hat sich gelohnt: Gianas Return ist das Killer-Spiel für den Wiz. Im Gegensatz zu kleineren Homebrew-Produktionen kann es sich mit den ganz Großen messen. Doch zunächst zu den Einzelheiten:
Story / Gameplay:
Giana, Protagonistin des Spiels, hat einen Traum. Von irgendwo ruft sie ihre Schwester Maria. Sie macht sich auf den Weg in ein wundervolles Land voll mit Rubinen, magischen Kugeln, Blitzen und natürlich vielen Hindernissen und Gegnern um ihre Schwester zu suchen.
Die zugegeben eher schlichte Story ist eine gelungene Referenz an die Storys diverser Mario-Games und anderer Jump’n'Runs. Letztlich geht es ja darum, in einer gewissen Zeit durch die Levels zu springen, möglichst viele Punkte zu machen (Rubine einsammeln, Gegner töten, Bonushöhlen finden) und dabei nicht den Tod zu finden. Sammelt Giana 100 Rubine ein, bekommt sie ein Extra-Leben geschenkt.
Trailer zu Gianas ReturnSteuerung
Giana wird mit dem D-Pad nach Rechts oder Links gesteuert. Mit der Taste A springt sie in die Höhe - je nachdem wie lange die Taste gedrückt wird. Hat Giana (mindestens) einen Blitz eingesammelt, kann sie mit der Taste B Schüsse abfeuern. Die Schüsse werden genauer, je mehr Extras Giana auf ihrem Weg einsammelt.
Die Steuerung ist flüssig - die Taste A zum Springen zunächst Gewöhnungsbedürftigt. Noch fehlt dem Spiel die Möglichkeit, die Tasten selbst festzulegen.
Grafik
Die süßen Pixelsprites werden jedes Retro-Herz erfreuen. Schön farbig kommen die Levels daher, die Spielfiguren sind flüssig animiert. In der momentanen Beta-Version ist das Scrolling noch etwas rucklig und das Tearing auf dem Wiz zu erkennen. Aber daran wird sicher noch bis zur finalen Version gefeilt.
Sound / Musik
Die Titelmusik ist eine Neuauflage der klassischen Giana Sisters-Titelmelodie von Chris Hülsbeck. Die anderen Tracks sind alle neu komponiert und referenzieren wunderbar die 8-Bit Ära. Der Sound wenn Giana springt erinnert sehr deutlich an das Original-Spiel.
Nintendos offizieller Nachfolger Giana Sisters DSSchwierigkeit
Das Game ist nicht einfach zu knacken (ich bin erst in Level 16). Neben teilweise Pixelgenauen Sprüngen an den Feuertonnen machen einem fast nicht sichtbare Hindernisse, wie der inzwischen durch einen Felsen ersetzte Weihnachtsbaum-Kaktus oder Eisblöcke das Leben zur Hölle. Gegner erledigt man durch einfaches Springen auf den Kopf oder das Schießen von Kugeln. Viele Gegner sind allerdings hinter Büschen versteckt, so dass man sie nicht immer gleich sieht. Praktisch, dass der Zusammenstoß nicht gleich zum Tod führt, sondern nur einen Energiebalken schmälert. Ist dieser allerdings aufgebraucht, ist dies auch das Ende von Giana.
Schön ist, dass man nach dem das Spiel in dem Level in dem man gestorben ist, fortsetzen kann, ohne nochmal von vorn zu beginnen. Auch die Möglichkeit, Passwörter für die einzelnen Levels einzugeben hilft dabei, beim Spiel weiter zu kommen.
Mariocracks und Plattformjunkies werden aber in jedem Fall nach und nach die Levels knacken. Blutige Anfänger müssen etwas üben, um geschickt durch die Welten zu hüpfen.
Vergleich zum Original-Spiel
Gianas Return ist zwar als Fortsetzung des Originals gedacht, bringt aber durchaus einige eigene Konzepte mit. Die verschiedenen Welten enden jeweils mit einem Boss, den man erledigen muss, bevor es weiter geht. Beim Original gab es hier große Ameisen, über die man aber lediglich springen musste um weiter zu kommen. Auch die Idee mit dem Energiebalken gab es bei Giana Sisters nicht. Bonushöhlen, Warp Zones sowie Extras zum einsammeln wurden vom Original übernommen. Auch die meisten Gegner (zumindest der ersten Levels) sind “alte Bekannte”.
Insgesamt ist dem Team von Gianas Return ein wirklich würdiger Nachfolger gelungen. Alte Giana-Hasen werden an diesem Spiel genauso viel Spaß haben, wie die Generation DS. Für eine Homebrew-Produktion ist Gianas Return eine echte Perle und sticht positiv aus der Masse an Puzzle und Minigame-Homebrew hervor (was nicht abwertend gemeint ist). Nach Cave Story (leider noch nicht für den Wiz geportet) der nächste große Homebrew-Hit.
website und offizieller Download: http://www.gianas-return.de/


